
Erlebnisse vom Besuch der Gauchos.
Reisen bildet ja bekanntlich, daher wollten Martin, Julia, Elisabeth (ebenfalls zwei Deutsche aus San Juan) und ich an die chilenische Küste nach Vina del Mar fahren. Damit man etwas flexibeler ist, wollten wir dazu einen Mietwagen hier vor Ort in San Juan anmieten. Also ist Martin mit unserem Mitbewohner José losgezogen um den Entsprechenden zu besorgen. Wir haben José mitgenommen, damit nicht die üblichen Touristenpreise abgerechnet werden. Am Ende hatten wir uns für Hertz entschieden, da der Laden auf beide den besten Eindruck machte und natürlich auf relativ günstig war. Wir sollten einen VW GOL (etwa wie ein alter Polo) für 600 Peso erhalten zzgl. 200 Peso für die Überfahrtserlaubnis nach Chile. Diese wird noch traurige Berühmtheit in dieser Geschichte erlangen. Allerdings mussten wir das noch mit den Mädels abklären, da es für jeden um 50 € ging. So vergingen etwa 2 Tage bis wir wieder bei Hertz im Büro saßen. Nun sagte man uns, dass der GOL weg war und wir nun einen Zafira mieten könnten. Der Wagen kostete allerdings mehr als das doppelte, so dass wir gezwungen waren auf einen lokalen Anbieter zurückzugreifen. Dieser war damals etwa so teuer wie Hertz, jedoch waren die Autos für Martins Geschmack nicht in dem besten Zustand. Dennoch machten wir einen Vertrag aus über einen Suzuki Swift (700 Peso). Dann ging es daran die Überfahrtsgenehmigung zu beschaffen. Dazu musste der Vermieter ein Schreiben durch die hiesige Bezirksregierung aufsetzen lassen aus dem hervorging, dass Martin auch wirklich von ihm die Erlaubnis hat. Das Schreiben war eine Din A4 Seite lang. Danach musste es noch vom Notar beglaubigt werden. Insgesamt mussten wir dazu dreimal in die Stadt. Kostenpunkt für das Dokument: 95 Peso. „Puh, endlich geschafft!“
Am Freitag vor der Abfahrt gab es dann noch mal ziemliche Aufregung, weil Julia ihre Ausreisekarte verloren hatte. In den meisten Ländern hier ist dann eine Ausreise erst mal nicht möglich und auf der Karte ist auch extra vermerkt, dass man sie bis zur Ausreise behalten muss. Mein Chef Carlos – er wird der Held dieser Geschichte - hat daraufhin mehrfach in Buenos Aires angerufen. Dort hieß es aus dem zuständigen Ministerium: „Kein Problem, wenn Sie einen Einreisestempel im Pass hat.“ Den hatte sie.
Am Samstag ging es dann mit unserem Swift um 07:30 Uhr los in Richtung Mendoza (ca. 200 Km) und dann noch mal ca. 250 km in die Anden zur chilenischen Grenze. Auf der Fahrt gab es schon so einige Überraschungen. Überall gibt es Kontrollpunkte der Polizei, wo Fahrzeuge kontrolliert werden können. Diese sind zwar in der Regel nicht besetzt; wir hatten jedoch das „Glück“ angehalten zu werden. Es fehlte der Fahrzeugschein. Wir waren schon etwa 100 km gefahren. Zurückzufahren wäre eine Katastrophe gewesen. Nachdem ich dann das Handschuhfach durchsucht hatte, haben wir ihn dann schließlich doch noch gefunden, so dass wir dann zur nächsten Sperre gefahren sind (vom Landwirtschaftsministerium). Argentinien hat im Norden große Probleme mit Agrarkrankheiten, so dass alle Fahrzeuge aus dem Norden kommend auf Obst und Gemüse durchsucht werden, sowie durch eine Desinfektionsdusche müssen.
Hinter Mendoza war Fahrerwechsel angesagt, so dass ich fahren durfte. Endlich durfte ich selber die brachiale Leistung von 1,0 Liter Hubraum und die Bremskraft von abgenutzten Bremsbelägen spüren. Das Auto war wirklich nicht im besten Zustand. Die Strecke hoch auf 3700 m war ein Traum. Die Anden sind einmalig schön und wir konnten sogar noch Schnee anfassen An den Bergen merkte man, wie schwach der Motor wirklich war. Das Überholen von LKWs dauerte endlos lange und bei Steigungen musste man häufiger die Klimaanlage abschalten, da sie dem Motor zuviel Leistung entzog. Daraufhin wurde das Auto immer schlagartig warm, weil der Motor durch die Last heiß wurde und somit trotz abgeschalteter Heizung die Frischluft massiv erwärmte. Auch haben wir das Temperament einer argentinischen Autofahrers zu spüren kommen. Der fuhr vor uns – auch gar nicht übertrieben langsam – aber er bremste völlig unberechenbar. Ich entschloss mich, ihn an einem bergab Stück zu überholen. Das fand er gar nicht so lustig und versuchte mich abzudrängen, so dass ich den Überholvorgang abbrechen musste. An der nächsten Geraden konnte er dann nichts mehr machen, so dass wir diesen Spinner getrost hinter uns lassen konnten.
Kurz vor der Grenze fährt man dann durch einen mautpflichtigen Tunnel. Mitten im Tunnel taucht ein Schild auf „Bienvenidos a Chile“ (Willkommen in Chile). Außerhalb des Tunnels wurde dieses noch mehrfach wiederholt und keine Grenzkontrolle in Sicht. So langsam beschlich uns das Gefühl, dass es auch hier offene Grenzen gab. Sollte etwa die aufwendige Genehmigung umsonst gewesen sein??? Wir irrten gewaltig. Nach 5 km kam dann ein Gemeinschaftsgrenzpunkt von Argentinien und Chile. Das Gebäude erinnerte mehr an eine Markthalle, als an eine Grenze. Irgendwann durften auch wir rein fahren und konnten danach in einen Raum zur Passkontrolle gehen. Dort gab es mehrere Schlangen an unterschiedlichen Schaltern von Argentinien und Chile. Es dauerte eine Zeit bis wir das System verstanden hatten. Wir mussten zuerst das Auto beim argentinischen Zoll anmelden. Stolz zeigten wir das Dokument vom Notar und dann sagte der Grenzer einen Satz, den ich so schnell nicht vergessen werde: „Falta el documento OM 2112 (Salida y Admision Temporal de vehiculos arrendados con sello Aduana)!“ (Es fehlt das Dokument OM 2112) Dieses Dokument sollte belegen, dass der Mietwagenheini seine Dienstleistung der Vermietung korrekt beim Zoll angemeldet hatte. Man erlaubte uns, dass wir das Dokument ausnahmsweise per Fax an die Grenzstation schicken könnten. Normalerweise muss es im Original vorliegen. Also mussten wir den Mietwagenheini anrufen. Tja, wie man macht das? Wir waren nämlich in Chile, so dass unsere argentinischen Prepaidkarten nicht funktionierten. Aber es gab Münzfernsprecher! Die akzeptierten jedoch nur chilenische Pesos. Also bin ich schnell Geld wechseln gegangen. Natürlich zu einem miserablen Kurs. Wieder zurück, mussten wir feststellen, dass der Apparat nur 10 Peso Stücke akzeptiert, aber 100 Peso Minimumguthaben sind. Die Inflation lässt grüßen. 10 Peso Stücke waren nicht aufzutreiben, also Telefonkarte kaufen. Das Geschäft war zu. Dann haben wir einen chilenischen Polizisten gefragt, wann der Laden aufmacht: „Die Besitzerin ist schon seit einer halben Stunde auf Klo“. Na super. Irgendwann hatte auch sie Ihre Sitzung beendet, so dass wir endlich die Karte kaufen konnten. Der Vermieter fiel aus allen Wolken und meinte, dass die Urkunde vom Notar reichen müsste. Er wolle mit dem Grenzer sprechen. Der lehnte dies jedoch ab, da er nicht seinen Schalter verlassen durfte. Alles hin und her nützte nichts. Der Vermieter konnte das Dokument nicht beschaffen, weil es einen Zollstempel brauchte. Also wieder 450 km zurück. Vorsorglich haben wir dann Carlos angerufen, weil wir natürlich das Geld von dem Mietwagenheini zurück haben wollten und Carlos als Muttersprachler sicherlich besser verhandeln kann, als wir. Carlos ist zwar immer sehr ruhig, aber äußerst bestimmt in seinem Auftreten.
Ich kann nur sagen: Zum Glück war er da!!! Der Mietwagenfritze meinte, es wäre ja nicht sein Problem und es hätte noch nie an der Grenze Probleme gegeben. Er wüsste nicht, was wir falsch gemacht hätten. Nachdem Carlos dann an seine Ehre appelliert hatte („Wenn ich einen Fehler mache, gebe ich ihn zu“) und mit der Polizei gedroht hat, bekamen wir den vollständigen Mietpreis (700 Pesos) zurück und der Vermieter hatte nicht bemerkt, dass der Wagen nicht aufgetankt war. Dann hat Carlos uns alle spontan zum Lomo-Essen zu sich nach Hause eingeladen. Es war super lecker, zumal wir alle ausgehungert waren. Auch seine Frau und seine Kinder waren sehr, sehr nett. Es war wirklich ein sehr schöner Abend und Carlos bin ich dafür in alle Ewigkeit dankbar.
Ich denke diese Erfahrungen beinhalten drei Lehren:
1.) Besser eine große Mietwagenfirma nehmen. Bei Hertz wäre das nicht passiert (daher haben die auch 200 Pesos für die Überfahrt verlangt, weil man zwei Dokumente benötigt).
2.) Ohne ausreichende Kenntnisse der spanischen Sprache sind diese Länder nicht zu bereisen. Selbst an der Grenze wird nur Spanisch gesprochen (das allerdings sehr klar und gut verständlich).
3.) Argentinier sind (meistens) äußerst hilfsbereite und gastfreundliche Menschen.
Viele Grüße






Nach der Arbeit waren wir dann mit Fabricio (wohnt in unserem Haus) und José beim „Chinesen“. Nun ja, da gab es zwar auch Buffet, jedoch war mehr als die Hälfte der Speisen argentinisch. Insbesondere war in dem Laden ein Asado (Grill) aufgebaut, so dass man wiederum diverse Grillspezialitäten essen konnte. Der Chinese war wirklich sehr gut und vor allem günstig. Wir haben mit Wein jeder 23 Pesos bezahlt, das sind genau 5 €. Am nächsten Tag ging es dann zu einem im Bau befindlichen Staudamm mit Namen Los Caracoles (Die Schnecken). Die Tour wurde von unserem Betrieb EPSE organisiert, die Bauherren sind. Nach einem anstrengenden 2-stündigen Vortrag auf Spanisch mit allerlei kritischen Fragen von Gegnern des Projektes, konnten wir uns dann das Wunderwerk ansehen. Ich fand es nicht so beeindruckend, aber wer schon mal ein Kernkraftwerk von innen gesehen, den kann eben kaum mehr was beeindrucken. Ein Abschnitt war dabei die Besichtigung des Falltunnels, wo das Wasser Richtung Turbine strömt. Das war der einzige ungesicherte Teil der Baustelle und wie es der Zufall will, viel ausgerechnet dort das Licht aus. Wie durch ein Wunder hat sich dabei zum Glück niemand verletzt, aber es wäre bei einigen mehrfach fast soweit gewesen (der Steg war nämlich verdammt eng, siehe Foto).
Den Rest des Wochenendes haben wir dann eher ruhig verbracht.
Saludos a Alemania,
Andreas






Gestern waren Martin und ich bei unserem ersten Asado (typisch argentinisches Grillfest). Die Familie von Josés (unser Mitbewohner) Freundin hatte uns netterweise eingeladen. Um 10:00 Uhr machten wir uns dazu auf um zu deren Haus zu fahren. Dort angekommen wurde ich von deren Katze angefallen, die offensichtlich Gefallen an meinem Deo gefunden hatte und mir unter die Achsel biss. Glücklicherweise war die Katze noch recht klein, so dass nichts passiert war, jedoch hatte das Vieh erstaunliche Ähnlichkeit mit Christinas Katze Pia (siehe Foto). Danach fuhren wir etwa 20 Minuten aus der Stadt raus zu einem kleinen Landgut, wo das eigentliche Asado stattgefunden hat. Dort wurde – genau wie in der übrigen Region – Wein angebaut. Der Hausherr ließ uns auch direkt von seinen in Schnaps eingelegten Trauben kosten. Vor unserer Asado Premiere hatten Martin und ich noch eine andere: Wir haben zum ersten Mal das argentinische Nationalgetränk Mate-Tee gekostet. ¡Que rico ! würde der Argentinier sagen. Der Tee schmeckte wie eine Mischung aus schwarzem Tee und ein bisschen Pfefferminz. Das Ungewöhnliche ist, dass es über eine Art Strohhalm verzehrt wird.
Danach haben wir uns mit Pool-Billard und Kicker vergnügt. Gegen 15:00 Uhr ging das Essen los. Ich hatte ein wenig bedenken, da beim Asado fast alles von einem Rind gegrillt wird und das nicht unbedingt dem europäischem Geschmack entspricht. Aber ubre und sesos wurden gar nicht serviert und die anderen nicht so leckeren Dinge wie Darm oder Zunge musste man nicht essen. Die Runde hatte dafür Verständnis, dass wir Europäer solche Dinge nicht unbedingt kosten wollten. Das „normale“ Fleisch war dafür (ungewürzt!) wirklich unglaublich lecker. Selten so gutes Fleisch gegessen. Nach dem Essen haben Martin und ich uns die Zeit mit sonnen und Luftgewehrschiessen vertrieben. Ein Wort zur Sonne. Nicht nur dass sie den ganzen Tag scheint, sie brennt unglaublich stark, da hier die Ozonschicht leider nur sehr dünn ist. Danach wurde ein Gesellschaftsspiel gespielt (was sich jedoch angesichts mangelnder Sprachkenntnisse mitunter als schwierig gestaltete) und Kuchen gegessen. Gegen 20:00 Uhr war alles vorbei und ich konnte zu Hause diesen Blog Eintrag in Ruhe bei einem Quilmes (sehr gutes argentinisches Bier) verfassen.
¡Hasta luego!
Nachdem Martin und ich uns am Institut gestern ein wenig eingewöhnt und das Internet ausgenutzt hatten, kam plötzlich Guido (ein Doktorand) mit seiner Frau vorbei und lud uns spontan in ein klassisches Konzert ein. Also schnell die Sachen packen und zum „Auditorio“, wo wir noch einige Freundinnen seiner Frau getroffen. Eine war die Spielerfrau von einem ehemaligen Boca Juniors Spieler (spielt jetzt für San Juan, ebenfalls 1. argentinische Liga). Eine andere war ein Mädel aus Augsburg, die am Goethe-Institut arbeitet.
Das Konzert wurde von einem angeblich sehr bekannten bulgarischen Dirigenten geleitet und das „Auditorio“ soll die beste Akustik in ganz Lateinamerika haben. Ich als alter Kulturbanause kann das eh nicht beurteilen. Das Konzert war sehr gut, dauerte jedoch recht lange. Aufgrund der strapaziösen Anreise fielen Martin und mir gelegentlich die Augen zu.
Im Anschluss an das Konzert wollten wir essen gehen, jedoch war es unmöglich ein Taxi zu bekommen. Daher nahm uns besagte Spielerfrau in ihrem Auto mit. Wir saßen mit ACHT Personen in einem Fünfsitzer-Renault. Gegessen wurde Lomo, eine Spezialität, die es angeblich nur in San Juan gibt (Eine dicke Scheibe Hühnchen (300g), Mayonaise, Brot, Ei, Salat übereinander) und Pommes. Na ja, war zwar recht lecker, aber auch sehr mächtig.
Heute waren wir bei Wal Maart einkaufen, da es in unserem Supermercado nicht allzu viel Auswahl gibt. Auf der Rückfahrt haben wir ein Taxi genommen. Als der Fahrer den Preis für die Strecke von ca. 6 km nannte staunte ich nicht schlecht,.. 6 Pesos (ca. 1,4 €)! Muy barrato würde der Spanier sagen.
Viele Grüße