Montag, 5. November 2007
Nachträge
1.) Prepaidkarten in Chile: Ich habe mich damals an der Grenze auf die offenischtlich falsche Information einer Mitfahrerin, Prepaid-Karten würden in Chile nicht funktionieren, verlassen. Hätte ich es mal besser ausprobiert... Selbstverständlich funktionieren die Karten in Chile. Dann hätten wir uns einigen Ärger erspart.
2.) Pfand: Hier kann man leider nicht z. B. 3 Flaschen zurückbringen und weniger als 3 wieder kaufen. Man kann sich den Pfand nicht auszahlen oder auf seine Rechnung anrechnen lassen. Man muss immer mind. die Anzahl der zurükgegebenen Flaschen auch wieder kaufen. Man will hier so das Flaschensammeln verhindern.
3.) Islas Malvinas(Falkland Inseln): Ich weiß erst jetzt, warum das Schild an der chilenischen Grenze steht: Chile hat englischen Truppen während des Krieges Stützpunkte zur Verfügung gestellt. Daher ist das Verhältnis bis heute sehr angespannt zum Nachnbarn. Was viele Argentinier dabei allerdings vergessen: In Chile herrschte zu dem Zeitpunkt genau wie in Argentinien eine Militärjunta. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das chilenische Volk sonderlich begeistert war, England zu unterstützen.
Sonntag, 4. November 2007
Chile
Reisebericht Chile
Nach längerer Zeit gibt es mal wieder Neuigkeiten aus Argentinien. Ich habe es endlich geschafft vor zwei Wochen am Paso de los Libertadores die Grenze nach Chile zu überqueren. Freitags morgens ging es für 3,8 € ins 170 km entfernte Mendoza. Dort war ein Buswechsel angesagt, so dass es dann um 12:30 Uhr mit dem größten argentinischen Busunternehmen Andesmar nach Santiago de Chile ging (650 km/ 10 €). Der Bus war nur sehr spärlich besetzt. Ich hatte einen Platz im Oberdeck in der ersten Reihe erwischt um die spektakuläre Fahrt besser genießen zu können. Gegenüber von mir saß offensichtlich ebenfalls ein „extranjero“, weil blondes Haar, kurze Hose und 5 Dosen Bier ihn direkt verrieten. Ich vermutete direkt es sei ein Engländer. Später bewahrheitete sich diese Annahme; er war auf dem Weg zu einem Rugbyspiel in Chile. Natürlich sprach er keinen Brocken Spanisch.
Die Einreise verlief unproblematisch, wenn auch chaotisch. Direkt habe ich begriffen, warum die Chilenen hier so unbeliebt sind. Der Grenzer in Chile unterhielt sich lieber mit seinem Handy anstatt die Einreiseformalitäten korrekt durchzuführen. Nachdem ich ihn dann auf den fehlenden Stempel im Pass und der fehlenden Einreisekarte aufmerksam gemacht hatte, bekam ich dann die geforderten Dinge. Hätte ich diese Sachen nicht reklamiert, dann hätte ich bei der Ausreise ein Problem gehabt (illegale Einreise). Danach ging es zum Zoll. Ich dachte spontan ich wäre 2002 in Goslar bei der Bundeswehr. Wir mussten uns vor einen langen Tisch stellen. Unser Gepäck vor uns. Es durfte nicht gesprochen werden. Danach sammelte ein chilenischer Zollkommissar mit Sherrif-Plakete (wie in Filmen beim FBI) an der Brust unsere Eidesstattlichen Erklärungen ein, dass wir auch ja keine Früchte oder tierischen Produkte nach Chile einführen (wegen Krankheiten). Jede Person wurde dabei kritisch gemustert. Anschließend wurde das gesamte Gepäck durchleuchtet und wir konnten wieder in den Bus. Danach gab es noch einige Schikanen vom chilenischen TÜV der den Bus argwöhnisch inspizierte. Nach fast 2 h Aufenthalt ging die Fahrt dann endlich nach Chile weiter. Die chilenische Seite ist ganz anders als die Argentinische; steile Serpentinen und sehr bald äußerst grün. Nach etwa 2,5 Stunden fuhren wir nach Santiago ein. Spontan dachte ich, der Bus hätte sich verfahren und wir wären in den USA. Santiago ist eine sehr moderne Großstadt (Videomonitore über den Autobahnen) überall Reklame wie in den USA etc. Ich war sehr beeindruckt. Am Busbahnhof in Santiago wartete auch schon meine Tante zweiten Grades Patricia mit ihrem Sohn Thomas auf mich. Beide sprechen kein Deutsch. Mein Onkel Alfredo war leider verhindert, da er im Süden ein Projekt betreuen musste (er spricht fließend Deutsch). Meine anfänglichen Bedenken wegen der Sprache waren ganz schnell verflogen. Beide sprachen sehr verständliches Hochspanisch und es gab kaum Verständigungsschwierigkeiten. Nach einem typisch deutschen bzw. chilenischen Abendessen (mit Brot) um 7 Uhr (in Argentinien wird immer um 22:00 Uhr oder später sich ein Riesengericht gegessen) bin ich zu einer weiteren Tante (Anne-Marie) gefahren. Dort habe ich dann auch erfahren, dass Chile leider trotz boomender Wirtschaft, massive Probleme hat. Die Kriminalität in Santiago wächst, begründet durch viele Drogenprobleme und ungerechte Einkommensverteilung. Als Beispiel: Ein Ingenieur kann in Chile 300 € pro Monat verdienen (Preisniveau vergleichbar mit Deutschland) oder 30.000 €. Als Folge kann man sich in Santiago nur noch sehr vorsichtig bewegen. Überfälle kann es überall geben.
Am nächsten Tag fuhr ich dann mit Peter (ein weiterer Onkel) nach einem köstlichen Mittagessen (Schwein!) zu einem Haus in der Nähe von Rancagua (ca. 100 km südlich von Santiago). Auf der Fahrt war ich beeindruckt von der Naturschönheit Chiles. Alles ist grün und blüht. Sein Haus liegt auf einer Parzelle mit duzenden von Mandelbäumen. Er selber ist ein Pflanzenliebhaber und hat die exotischsten Pflanzen auf seinem Grundstück. Am nächsten Tag ist dann Anne-Marie mit einer Freundin aus Santiago gekommen und wir haben einen entspannten Tag verbracht. Abends ging es wieder zurück nach Santiago zu Patricia und Thomas. Am nächsten Tag konnte ich endlich das Grab meines Großonkels in Santiago besuchen und einige Dinge kaufen, die es in Argentinien nur schwer gibt (Computermaus mit USB Anschluss, vernünftigen Instant-Kaffee). Abends ist dann noch ein weiterer Onkel (Miguel) mit meiner Cousine Paulina vorbei gekommen. Am nächsten morgen ging es leider dann wieder zurück nach San Juan. Der Bus sollte angeblich direkt nach San Juan fahren. Ein Etikettenschwindel sondergleichen. Der Bus sammelte noch 3 Leute in Los Andes in Chile ein (ca. 30 Minuten Umweg). An der Grenze dann der nächste Hammer. 7 Busse vor uns. Es kam dann fast noch zur Schlägerei zwischen den Busbegleitern von verschiedenen Firmen, weil sich unsere Schlange angeblich bei der Ausreisekontrolle vorgedrängelt hätte. Völlig lächerlich, da der andere Bus eh noch ne halbe Stunde beim Zoll warten musste. Die Grenzkontrolle fand diesmal auf argentinischer Seite statt, allerdings lief es diesmal alles etwas geordneter und weniger streng ab. Zwar durchwühlen die argentinischen Zöllner sogar das Gepäck, aber sind äußerst freundlich. Bei mir haben die sich gar nicht getraut, wahrscheinlich weil ich Ausländer bin und sie mich nicht als Tourist vergraulen wollten. Auf der Fahrt fiel danach der Ton vom Fernseher aus. Ich hatte mich schon gefreut, weil ich dann endlich nicht mehr den Krach ertragen musste. In Mendoza verließen dann fast alle den Bus und die haben dann eine Stunde den Ton für 5 Leute im Bus repariert, bevor es dann weiter nach San Juan ging. Die gesamte Busfahrt hatte dann etwa 11 h gedauert.
Es war ein wunderbares, viel zu kurzes Wochenende, aber die nächste Chilereise im Dezember ist schon gebucht. Vor allem von der Gastfreundlichkeit in Chile, wie auch in Argentinien bin ich jedes Mal begeistert.














